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Ein Theater mit Botschaft

29.05.2022

Am Donnerstag, den 12. Mai 2022, besuchten alle 8. Klassen des Goethegymnasiums Ilmenau das Theater in Rudolstadt. Gezeigt wurde „Der Schimmelreiter“ – eine Novelle von Theodor Storm (1888). Diese äußerst anspruchsvolle Theaterinszenierung wurde dargeboten von den Schauspielern: Christoph Rabeneck, Ole Riebesell, Lisa Störr, Alexander Beisel, Friedericke Fink und Linda Ghandour.

Das wunderbare, von Jos van Kann inszenierte Stück wurde den achten Klassen dargeboten. Jedoch wäre es beinahe nicht dazu gekommen. Das Landratsamt Ilmenau versprach die Eintrittskarten zu finanzieren. Aufgrund politischer Querelen war noch im Mai Haushaltssperre und das versprochene Geld wurde nicht zur Verfügung gestellt.

Dank des Fördervereins vom Rudolstädter Theater wurde es den 8. Klassen dennoch ermöglicht, das Theaterstück zu besuchen. Der Förderverein übernahm die vollständigen Eintrittskosten für jeden Schüler und Lehrer. Dies bedarf große Anerkennung, da es eine außerordentlich noble und keinesfalls selbstverständliche Tat ist!

Jeder, der diese Novelle schon einmal gelesen hat, weiß, dass dies keine ‚leichte Kost‘ ist. Der Regisseur Jos van Kann schaffte es, die Geschichte kurz, knapp und verständlich zusammenzufassen. Es wurden ganz gezielt die wichtigsten Szenen aus der Novelle gezeigt und auf eindrucksvolle Weise variiert.

In der Klasse 8p wurde eine Umfrage gestartet, was sie gut und was sie weniger gut fanden – eines kam jedes Mal ins Gespräch: der Rollenwechsel. Die Einen fanden ihn sehr gut und betrachteten ihn als kreative Möglichkeit, Verschiedenstes auszudrücken. Andere wiederum waren der Meinung, dies sei zu verwirrend und chaotisch. Allgemein betrachtet ist sehr viel Perfektion nötig, um die Rollenwechsel so schnell und koordiniert durchzuführen, wie man es hier sehen konnte.

Ich selbst finde, es ist eine wunderbare Idee, um mehr Spannung und Abwechslung in die Vorführung zu bringen – interpretieren muss es allerdings jeder für sich.

Sehr beliebt war, dass bei den Kussszenen sich Mann und Mann, beziehungsweise Frau und Frau geküsst haben. Die Schüler der Klasse 8p legten dies einstimmig als indirektes Statement für LGBTQIA (engl.= Lesbian, Gay, Besexual, Transgender, Queer, Intersexual, Asexual) aus. LGBTQIA ist ein Thema, dessen Wichtigkeit in den letzten Jahrzehnten rasant zunahm. Dennoch bemerkte man während dieser Szenen eine gewisse ‚Unruhe‘ im Publikum. Diese so genannte ‚Unruhe‘ kam vor allem von den älteren Generationen. Das liegt daran, dass diese Generationen teilweise in dem Glauben erzogen wurden, gleichgeschlechtliche Beziehungen, etc. seien nicht akzeptabel.  

Begeistert waren viele ebenso von der Darstellung des dramatischen Endes von Hauke Haien (dem Hauptdarsteller) sowie des alten Deichgrafen. Ich zitiere: „Der alte Deichgraf wurde sehr cool dargestellt und ist sehr gelungen!“

Lobenswert ist die Art und Weise, auf die jegliche Tiere auf die Bühne gebracht wurden, zum Beispiel wurde das Pferd durch einen Sattel oder die Katze durch ein Stofftier ersetzt. Zitat: „Ich fand es sehr schön, dass es keine Tierquälerei gab, sondern die Tiere durch andere lustige Dinge dargestellt wurden.“

Ein anderer Schüler sagte: „Es ist erstaunlich, wie sie es geschafft haben mit nur sechs Schauspielern so viele Rollen zu spielen!“

Dennoch gab es auch Einiges, was die befragten Schüler bemängelten. In Einem waren sich alle einig: die Besetzung der Rolle des Hauke Haien. Hier lag das Problem darin, dass Lisa Störr den aufbrausenden und jähzornigen Charakter Haukes nicht überzeugend genug verkörpern konnte.

Das kleinere, allerdings ebenso benannte Problem war, dass Hauke im Buch als „hagerer, großer Bursche“ betitelt wurde. Im Theater spielte ihn dennoch meist eine kleine Frau.

Ebenso verwirrend waren jene Szenen, in denen eine Person von mehreren Schauspielern gleichzeitig gespielt wurde. Natürlich war dies eine einmalige Idee. Da es aber ohnehin für den ein oder anderen gelegentlich schon schwierig war zu folgen, konnte es zu Verwirrung führen.

Jeder hat einen anderen Geschmack, wodurch man andere Dinge gut beziehungsweise nicht so gut findet. Ich zitiere: „Was ich nicht gut fand war, dass Wienkes Tod nicht buchgetreu nachgestellt wurde.“ Ein anderer sagte: „Es war ziemlich chaotisch mit all den vielen Puppen, die auf der Bühne standen und herumgeschoben wurden.“

Ich selbst kann beide Meinungen verstehen, finde es jedoch nicht relevant, ob alles buchgetreu nachgestellt wurde. Dies liegt daran, dass man im Theater immer in gewisser Weise Spielraum hat, die Geschichte zu variieren und ich finde, dies ist in dieser Vorstellung gut gelungen.

Es lohnt sich auf jeden Fall, in dieses Theaterstück zu gehen. Ein Beweis dafür ist, dass die Schüler, welche den „Schimmelreiter“ gelesen haben, meist nicht sonderlich begeistert waren von dieser Novelle. Das Theaterstück war wiederum recht beliebt und es bot den Schülern jede Menge Gesprächsstoff.

(Manja Schumann, 8p)

 
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Letzte Bearbeitung: 08.04.2019, 20:07

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